Appell: mehr Herz für Europa

 

 

Landesversammlung der Europa-Union Hessen in Alsfeld

 

 

Nach dem „Non" der Franzosen zur EU-Verfassung Ende Mai, dem „Nee" der Niederländer

 

drei Tage später und dem gescheiterten EU-Gipfel will die hessische Europa-Union

 

„mit heißem Herzen" bei den Bürgern für ihre Ideen werben. Dies wurde bei einer

 

Podiumsdiskussion der Europa-Union am Samstag in der Alsfelder Stadthalle deutlich,

 

die im Rahmen der zweitägigen Landesversammlung der überparteilichen Organisation

 

stattfand.

 

 

 

„Wir sagen weiterhin, der Föderalismus hat Zukunft", unterstrich Thomas Mann,

 

CDU-Europa-Abgeordneter und Landesvorsitzender der Europa-Union, in seiner Begrüßung.

 

Er warnte davor, die negativen Voten zu ignorieren, das „wäre das Falscheste vom Falschen".

 

Auch Landrat Rudolf Marx betonte in seinem Grußwort, dass in der Bevölkerung noch viel

 

Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse. „Europa hat uns Freiheit gegeben - und den Frieden

 

gegeben", dies werde viel zu oft vergessen, meinte der Landrat.

 

 

 

„Die Kommunen brauchen den europäischen Einigungsprozess", erklärte Bürgermeister

 

Herbert Diestelmann. Dieser Prozess aber benötige die Verbindung der Menschen untereinander

 

und nicht nur eine Verbindung auf politischer Ebene. Bestes Beispiel dafür seien die

 

Städtepartnerschaften, die sich nie zu echten Freundschaften entwickelt hätten, wären sie nur

 

aus ökonomischen Bestrebungen heraus oder nur auf administrativer Ebene gebildet worden.

 

Der Alsfelder Bürgermeister sprach sich dafür aus, die jüngsten Reaktionen der Menschen zur

 

Kenntnis zu nehmen, eine Denkpause einzulegen und die Defizite zu beseitigen. Europa sei nicht

 

verloren, aber man dürfe den Menschen nicht aus den Augen verlieren, warnte Diestelmann.

 

Auf die aktuellen Entwicklungen ging anschließend Elmar Brok ein - er ist Vorsitzender

 

des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im europäischen Parlament und Präsident der

 

Europa-Union Deutschland. Europa werde für das verantwortlich gemacht, was man im eigenen

 

Land nicht hinbekomme. „Wenn die Sonne scheint, ist es Berlin - wenn es regnet, ist es Brüssel."

 

Dabei ziehe Deutschland einen ungeheuren Nutzen aus der EU, kein Land profitiere beispielsweise

 

mehr von der Osterweiterung als Deutschland.

 

 

 

Aber: In der Bevölkerung würden systematisch Ängste aufgebaut, diejenigen, , die den meisten

 

Gewinn machen, würden - Druck ausüben. „Deshalb müssen wir . erklären, warum wir die

 

EU brauchen", betonte der CDU-Abgeordnete und erinnerte auch daran, dass die

 

Europäische Gemeinschaft den Frieden gebracht habe. Durch ihre Strukturen werde verhindert,

 

„dass Herrschende verrückt spielen können", dass Staaten untereinander Krieg führten. Zudem

 

führe Europa zu mehr Sicherheit, so der Experte und verwies auf die grenzüberschreitende

 

Kriminalitätsbekämpfung.

 

 

 

Breiten Raum nahm die Wirtschaftspolitik ein. Brok zeigte sich sicher, dass jeder einzelne Staat

 

zu schwach ist, um auf dem Weltmarkt eine Rolle zu spielen. Und: Wenn es die

 

Absatzmöglichkeiten auf dem europäischen Markt nicht gäbe, hätten wir in Deutschland

 

noch mehr Arbeitslose. In diesem Bereich müsse eine Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegt

 

werden, damit die Bürger wüssten, was die EU eigentlich bringe. Vieles sei in den

 

vergangenen Jahren zu schnell gegangen. „Wir haben den Bürger auf diesem Weg nicht

 

mitgenommen", gestand Brok ein. In der jetzigen Konsolidierungsphase müsse man deshalb

 

wieder Emotionen wecken. „Wir sollten wieder aus dem Herzen heraus für Europa sprechen."

 

 

Diese Überzeugung wurde auch in der anschließenden Podiumsdiskussion

 

mehrfach vertreten, in der neben Brok auch die Europa-Abgeordneten Dr. Udo Bullmann (SPD)

 

und Thomas Mann (CDU), Stefan Lindner vom Koordinationsausschuss für EU-Fragen von attac,

 

Landrat Marx und Roland von Hunnius (FDP) vom Europaausschuss des hessischen

 

Landtages unter Leitung von Kreisvorsitzendem Volker Nies nach Wegen aus der europäischen

 

Krise suchten.

 

Die Teilnehmer auf dem Podium sprachen sich zum einem dafür aus, Reglementierungen

 

und Bürokratisierung abzubauen, gleichzeitig aber auf die Absicherung sozialpolitischer

 

Rechte zu bestehen. In der jetzigen Phase sei die Europa-Union besonders gefordert, auf

 

die Ängste in der Bevölkerung einzugehen, erklärte zudem Roland von Hunnius, um den

 

Menschen die Idee von Europa näher zu bringen. Auch Dr. Udo Bullmann rief die Mitglieder

 

der Organisation dazu auf, die Trommel für die EU „zu rühren". Die Erfolge von Europa

 

müssten den Bürgern wieder vermittelt werden. „Wir müssen wieder lernen, für Europa zu kämpfen",

 

rief Bullmann seinen Mitstreitern zu.

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